Lauras Spiel

Der wohlhabende Antiquitätenhändler Sebastian Matthiesen ahnt, dass ihn seine junge Geliebte betrügt.

„Meine Füße schmerzen! Dieses ver­dammte Herum-Gehetze den ganzen Tag lang. Ich bin Kunst- und Antiquitätenhändler. Dieses Berufsbild hat sich seit einigen Jahren sehr verändert, teils durch Online-Versteigerungsplattformen, teils durch eine Vielzahl an Fernsehformaten, die den Sehern suggerieren, dass auf beinahe jedem Dachboden im Lande ein verborgenes Vermögen schlummert, was natürlich nicht der Fall ist!

Was ich in letzter Zeit an Ramsch und Müll vorgesetzt bekam, spottet schon jeder Beschreibung. Als ob das nicht genug wäre, hat sich gleichsam über Nacht eine neue Käuferschicht herangebildet, die sich äußerst ungünstig auf das Preisgefüge des gesamten Marktes auswirken. Mittlerweile bilden sich schon die sonderbarsten Figuren ein, im Kunst-und Antiquitätenmarkt reüssieren zu können.Und so kommt es, dass sich mein Tätigkeitsfeld vor allem betreffs der Akquisition dramatisch verändert hat: Komme ich zu einem Termin, stehen dort schon an die zehn, meistens mehr Interessenten herum, die alle ebenfalls das aktuelle ausgesuchte Objekt der Begierde erstehen wollen. Das nötige Kleingeld scheint in Hülle und Fülle vorhanden zu sein.

Früher war das anders gewesen, angenehmer, persönlicher, menschlicher, freundlicher. Das Gewerbe ändert sich wie die Zeit sich ändert. Wer nicht gleich kauft, muss sehen, wo er bleibt. Kunde hin, Kunde her, ich kann nicht mehr! Seit dem Morgen graste ich einen Außentermin nach dem anderen ab, hetzte von einem Kunden zum nächsten, dann hektischer, kurzer Zwischenstopp in meinem kleinen Laden, keine Mittagspause, Snack zwischendurch hinterm Lenkrad, dazu eine Coladose, nervös Zigaret­ten geraucht und nach ein paar Zügen die Kippe schon aus dem Autofenster geworfen, nervende Telefonate, Schlaglöcher, Hitze, Wahnsinn.

Da kommt einem schon was unter! Die Leute werden immer dreister und unverschämter. Bot man mir doch heute „exklusiv“ ein Teeservice aus dem Zarenpalast in Sankt Petersburg an. Ein Blick genügte und ich war nahe daran, die aufgedonnerte Matrone samt ihrer zwei Trabanten, die wie Figuren aus einem schlechten Mafia-Film wirkten, dem Betrugsdezernat der Polizei anzuzeigen. Von wegen Zarenpalast…..“

e-book:  http://amzn.to/2fX3ymQ

Taschenbuch: